Biokunststoff aus Milch

Liebe Leser,

nachdem ich euch über die Definitionen von Biokunststoff informiert habe, stelle ich euch nun einige Beispiele vor. In diesem Beitrag behandele ich den Biokunststoff aus Milch. Das ist nämlich der erste produzierte Kunststoff gewesen.

Zunächst einmal ein kleiner geschichtlicher Hintergrund: Im Jahr 1897 stellte der Chemiker Adolf Spitteler Kunststoff aus Milch her und nannte dies „Galalith“. Daraus wurden anfangs Knöpfe, Bürsten und Schmuckstücke produziert. Später gewann das „Galalith“ in der Herstellung von Kaminen an Bedeutung, da der Kunststoff aus Milch feuerbeständig ist. Auf der anderen Seite war die Produktion jedoch sehr mühselig. Dies sah man auch an den unregelmäßigen Lieferzeiten. Deshalb musste die Produktion von „Galalith“ nach den Zweiten Weltkrieg eingestellt werden. Der neu entdeckte Kunststoff aus Erdöl war im Gegensatz zu „Galalith“ preiswerter und die Verarbeitung verlief einfacher. Auch andere Versuche Kunststoff aus Milch herzustellen scheiterten entweder am gleichen Grund wie beim „Galalith“ oder wegen dem Nutzungskonflikt gegenüber der Milch, welches auch als Nahrungsmittel diente.Der Kunststoff aus Milch basiert auf dem Protein Casein. Dieses Protein ist neben den Molkeproteinen in der Milch vorhanden und findet auch Anwendung als Bindemittel und in pharmazeutischen Hilfsstoffen. Für die Gewinnung von Casein benötigt man Säure, da Casein bei einem pH-Wert von 4,6 sich von der Molke löst. Chemisch gesehen läuft das ganze so ab: Das Casein ist zunächst negativ geladen und wir wissen, dass gleiche Ladungen sich abstoßen. Dies ist beim Casein der Fall. Wird nun eine Säure (z.B. Essigsäure C2H4O2) hinzugeben, reagiert das Casein mit den H+-Ionen der Säure. Somit kommt es zu einem Ladungsausgleich, weshalb sich die Caseine nicht mehr abstoßen. Sie lagern sich zusammen und lösen sich so von der Molke. Natürlich habe ich die Reaktion nur vereinfacht dargestellt, da ich euch nur einen kurzen Einblick darin näherbringen wollte, aber die oben genannten Reaktionsschritte sind die wichtigsten gewesen.

Jetzt stellt ihr euch vielleicht die Frage: Wo finde ich heutzutage diesen Biokunststoff aus Milch? Ich selber habe mich intensiv mit dieser Frage beschäftigt und muss sagen, dass ich nicht viele Firmen gefunden habe, die so einen Biokunststoff anbieten. Das finde ich ehrlich gesagt schade. Zumindest habe ich diese Firmen gefunden: „Qmilk“, „Vaude“ und „Die Taschenfabrikantin“. „Qmilk“ stellt lediglich Fasern aus Milch her und die anderen zwei genannten Unternehmen verarbeiten die Fasern von „Qmilk“ dann weiter. Darüber hinaus wird derzeit in der USA an Folien aus Casein geforscht.

Der Vorteil hierbei ist, dass der Rohstoff, hier die Milch, ein nachwachsender Rohstoff ist, welcher gleichzeitig auch biologisch abbaubar ist. Somit kann das Meer endlich aufatmen. Kein Kunststoff aus Erdöl bedeutet ja, dass weniger Kunststoffmüll aus Erdöl in die Meere gelangt. Die Tiere im Meer verenden nicht mehr qualvoll, weil sie Kunststoffteilchen gefressen haben und wir können beruhigt sein, dass keine Hormone verändernden Stoffe von der Verpackung auf unsere Lebensmittel übertragen werden.

Ein großer Nachteil stellt jedoch der Nutzungskonflikt dar. Milch wird ja auch als Lebensmittel konsumiert. Ich wette, ihr esst auch gerne Joghurt, Eis, Butter, Sahne oder trinkt Kaffee oder Kakao. Ihr seht schon, auf der einen Seite Milch als Rohstoff für die Kunststoffindustrie und auf der anderen Seite Milch als Nahrungsmittel. Deswegen kann es sein, dass wir vielleicht in ein paar Jahren mehr für unsere Milch zahlen müssen als früher. Außerdem werden vermutlich mehr Kühe gebraucht, damit genug Milch für die Kunststoffindustrie vorhanden ist. Das Problem hierbei ist, dass Kühe Methan ausstoßen. Das ist ein Treibhausgas und dies sorgt unter anderen dafür, dass die Klimaerwärmung steigt. Derzeit beträgt der Anteil der Kühe am Klimawandel 5 %. Obendrein verbessert sich die Lage im Meer nicht sehr. Selber wenn Kunststoffe aus Erdöl ganz durch Biokunststoffe ersetzt werden, im Meer befinden sich immer noch ein großer achter Kontinent voll aus Kunststoffmüll, der nicht einfach so verschwindet, weil es jetzt Biokunststoffe gibt. Biokunststoff ist nur eine langfristige Lösung, was auch gut ist. Jedoch passiert kurzfristig nichts. Zudem muss man auch sagen, dass die oben genannten Unternehmen, die diesen Biokunststoff herstellen, noch nicht allzu bekannt sind. Das Wort „noch“ habe ich absichtlich eingebaut. Vielleicht nach ein paar Jahren sind diese Unternehmen auch bekannter. Dennoch, wenn Großkonzerne anfangen würden, Biokunststoff aus Milch anzubieten, dann hätten wir viel mehr Möglichkeiten, Gegenstände zu kaufen, die aus diesen Biokunststoff hergestellt werden. Das größte Problem sehe ich in den Punkt, dass viele Menschen wahrscheinlich wissen, dass Kunststoffe aus Erdöl umweltschädlich sind, aber keine Alternativen kennen.

Ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick zu den Biokunststoffen aus Milch geben. Ich persönlich finde, dass dieser Ansatz schon einen Schritt in die richtige Richtung macht. Der Biokunststoff ist zwar noch nicht perfekt (und wir wissen, dass nichts auf unserer Welt perfekt ist) und muss noch ausgebessert werden, aber der Grundgedanke, Kunststoffe aus Erdöl durch umweltfreundlichere Stoffe zu ersetzen, ist ein guter Anfang.

Lg eure plastikwelt

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